Die Herrnhuter Brüdergemeine will beim Thema Nachhaltigkeit als Vorbild wirken.
In Herrnhut treffen barocke Fassaden auf moderne Technologie. Und dann steht auch noch die Kommunale Wärmeplanung ins Haus. Wie sich das alles vereinbaren lässt, berichten Michael Simm und Andrea Kretschmar von Diakonie und Brüdergemeine im Interview.
Was bedeutet die Bewahrung der Schöpfung für Sie persönlich?
Michael Simm: Für mich ist das kein abstrakter Begriff, es ist eine Verpflichtung, die tief in unserer Geschichte verwurzelt ist. Wir müssen mehr tun als nur Gebäude instand zu halten. Wir tragen Verantwortung für Mensch und Umwelt. Unser Nahwärmenetz existiert seit 1977, damals noch mit Braunkohle. Heute versorgen wir 13 Gebäude mit Wärme – effizienter und nachhaltiger als früher. Wir setzen hier auf Holz, Gas und ein Blockheizkraftwerk. Das ist nicht nur Technik, sondern gelebte Bewahrung der Schöpfung.
Andrea Kretschmar: Es ist mehr als Umweltschutz. Es ist ein Teil eines größeren Prozesses: Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Diese drei Dinge gehören im kirchlichen Kontext zusammen. Wir können nicht über Klimaschutz reden, ohne soziale Gerechtigkeit mitzudenken. Wir glauben, dass die Welt uns nicht gehört, sondern anvertraut ist. Deshalb handeln wir und dämmen Gebäude, arbeiten mit regionalen Handwerksbetrieben zusammen, versuchen unser Land so zu verpachten, dass es umweltverträglich bewirtschaftet wird und schaffen Bewusstsein – im Gottesdienst, in Gesprächen, durch Bildung.
Das ist nichts, was Ihnen aufgezwungen wird, sondern intrinsische Motivation?
Kretschmar: Genau. Unsere Welt und unsere Mitmenschen gehören uns nicht. Wir müssen dafür sorgen, dass niemand ausgebeutet wird, dass Gerechtigkeit herrscht. Niemand ist perfekt, keine Kirche, keine Gemeinde, aber das ist die Grundlage, warum wir das machen. Und das sieht man auch an der Länge dieses Prozesses: Seit Ende der 1980er Jahre versucht die Kirche immer ökologisch zu denken und das umzusetzen, was technisch möglich ist.
Wie nehmen Sie die Menschen dabei mit?
Simm: Indem wir nicht belehrend auftreten, sondern als Vorbild wirken. Wir haben Fledermauskästen gebaut, Dächer begrünt, Schüler einbezogen. Nachhaltigkeit ist ein Weg, den wir gemeinsam gehen müssen.
Welche Rolle spielt dabei die Kommunale Wärmeplanung, die derzeit in Herrnhut mit SachsenEnergie entwickelt wird?
Kretschmar: Sie ist noch nicht abgeschlossen, aber aus unserer Sicht eine Chance. Wir hoffen, dass dabei Strukturen entstehen und Betreiber gefunden werden, die die Wärmeversorgung übernehmen. Wir als Kirche können das nicht leisten. Die gemeinsame Planung mit SachsenEnergie hilft, Optionen im Blick zu behalten – Nahwärme, Wasserstoff oder andere Technologien. Wichtig ist, unsere Gebäude so vorzubereiten, dass wir wechseln können, wenn sich neue Lösungen ergeben.
Simm: Für das Nahwärmenetz kann sie als Orientierung dienen. Die Kommunale Wärmeplanung ist eher eine Potenzialanalyse mit hoher Flughöhe. Sie zeigt, was möglich wäre. Für uns ist das wichtig, weil wir Erweiterungen daran ausrichten können. Und wenn wir Fördermittel beantragen, ist es gut, ein strategisches Papier zu haben, auf das wir uns berufen können.
Die Kommunale Wärmeplanung (auch KWP genannt) ist ein gesetzlich vorgegebener Prozess, mit dem Städte und Gemeinden ihre zukünftige, klimafreundliche Wärmeversorgung strategisch planen. Sie zeigt auf, welche nachhaltigen Technologien vor Ort sinnvoll einsetzbar sind – z. B. Nahwärme, Wärmepumpen, Solarthermie, Geothermie, Wasserstoff oder andere erneuerbare Systeme. Die Ergebnisse der Planungen werden in einem Wärmeplan dokumentiert. Seit dem 1. Januar 2024 sind alle Kommunen in Deutschland verpflichtet, einen solchen Wärmeplan zu erstellen.
Eine zukunftsfähige Wärmeversorgung entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch gemeinsame Planung. Die Kommunale Wärmeplanung schafft dafür einen klaren Rahmen, damit Kommunen, Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Einrichtungen Schritt für Schritt klimafreundlicher werden können.
In Sachen Wärmeplanung gibt es noch viel zu tun: 400 Gemeinden in Sachsen werden so eine Planung abliefern müssen. Neben dem Wärmeplan für Herrnhut erstellt SachsenEnergie derzeit (Stand: Februar 2026) die Wärmepläne für Großenhain, Radeberg, Kottmar, Kreba-Neudorf, Strehla, Ostritz und Kreischa. Drei Wärmeplanungen – für Wilthen, Kodersdorf und Löbau – sind bereits abgeschlossen.
Wie verbinden Sie Denkmal- und Klimaschutz?
Simm: Ganz einfach, wir spielen die beiden nicht gegeneinander aus. Unsere alten Gebäude sind oft erstaunlich effizient: dicke Wände, Kastenfenster.
Bei Sanierungen setzen wir auf Dämmung, regionale Materialien, Wiederverwendung. Wir prüfen neue Technologien – von PV bis Wärmepumpe. Es geht um kluge Lösungen, nicht um Dogmen.
Auch bei Neubauten wie der Johann-Amos-Comenius-Schule oder den Evangelischen Zinzendorfschulen haben wir traditionelle Bauweisen mit moderner Technik kombiniert: massive Wände, Kastenfenster aus Weißtanne, gefertigt von regionalen Tischlereien. So entsteht ein Ensemble, das historische Ästhetik und energetische Effizienz vereint.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Simm: Technologischen Fortschritt und Offenheit. Wir hoffen, dass die Politik das Potenzial kirchlicher Einrichtungen erkennt – Dachflächen, Strukturen, Netzwerke. Wir können viel beitragen, brauchen aber Fördermittel. In Nordrhein-Westfalen ist das bereits im Regierungsprogramm verankert – wir wünschen uns Ähnliches für Sachsen.
Kretschmar: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Haltung. Wir können nicht alles sofort umsetzen, aber wir bleiben dran. Bewahrung der Schöpfung ist kein Projekt, das endet. Es ist ein Weg, den wir gemeinsam gehen müssen. Und wir wollen zeigen: Klimaschutz ist keine Last, sondern die einzige Chance für eine lebenswerte Zukunft folgender Generationen.
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