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SachsenEnergie Newsroom Im Fokus TILLIG Modellbahnen
TILLIG Modellbahnen in Sebnitz
Präzision im Maßstab 1:120

Winzige Räder, filigrane Rahmen, zierliche Haltegriffe – in den durchnummerierten Blechschälchen auf den Tischen der Mitarbeiter der Montagehalle liegen sie fein säuberlich sortiert. Manche sind nur wenige Millimeter groß, doch zusammengefügt werden sie zur Dampflokomotive BR 78, einem Autotransportwagen der Tschechischen Staatsbahn oder einem LKW H3A mit Kofferaufbau „Interflug“. Im Sebnitzer Unternehmen TILLIG Modellbahnen, dem weltgrößten Anbieter von TT-Modelleisenbahnen, entstehen aus diesen Miniaturteilen detailgetreue Nachbildungen historischer, aber auch aktueller Schienenfahrzeuge im Maßstab 1:120, die Modelleisenbahner jeden Alters begeistern.

Die Nenngröße TT, ursprünglich aus den USA stammend, ermöglicht es, eine komplette Eisenbahnlandschaft auf einem Küchentisch, also Table Top, zu erschaffen. Als „eine optimale Kombination von minimalem Raumbedarf, maximaler Modelltreue und Funktionssicherheit“ – fasste einer der ersten Produzenten die Marke zusammen. Sie sei noch heute ideal für Anfänger und Fans, die bessere Sichtbarkeit und Handhabbarkeit gegenüber anderen Spurweiten suchen, erklärt Geschäftsführer Heiner Groh.

Von der Inspiration zum Modell

Der Weg von der ersten Skizze bis zum fertigen Modell ist ein aufwendiger Prozess, der Teamwork, Leidenschaft und ein offenes Ohr für die Wünsche der Kunden erfordert. Bis beispielsweise eine rote S-Bahn der Linie S1 Richtung Schöna ihre ersten Kreise auf der heimischen Platte dreht, gehen rund drei Jahre ins Land. Inspiration kommt aus vielen Quellen: Das Entwicklerteam bei Tillig bringt Fachwissen und Kreativität ein, während der TT-Kundenclub mit rund 5.000 Mitgliedern – darunter auch viele Frauen – eine zentrale Rolle bei der Vorauswahl spielt. Ideen der Community fließen direkt in die Produktentwicklung ein. Recherchen in Bibliotheken, im Internet und in originalen Bauzeichnungen liefern historische und technische Details.

Kundenfeedback und Messen u. a. in Leipzig und Dresden oder der jährliche Tag der offenen Tür helfen, den Puls der Modelleisenbahner zu fühlen. Schwerpunkt ist der europäische Markt, der Großteil der Fans stammt neben Deutschland aus Polen und Tschechien. Jedes Jahr kommen neue Artikel hinzu, die das Sortiment von 800 bis 900 Einzelartikeln erweitern, von Dampfloks der 50er- und 60er-Jahre über sämtliche Zubehörteile bis zu modernen Zügen des VVO. Besonders gefragt sind frühe Länderbahnen und historische Züge der Deutschen Reichsbahn.

Auf dem Weg zum detailgetreuen Abbild eines lebensechten Schienenfahrzeuges sind Akribie, Fingerfertigkeit und Geduld gefragt. An sieben Spritzgussmaschinen entstehen aus unscheinbarem Kunststoffgranulat Einzelteile von 1 bis 100 Gramm Spritzgewicht. Pinzette und Lupe liegen bei der Arbeit immer griffbereit. Die mehrschichtige Farbgebung erfolgt per Hand mit Lackierpistolen, Automaten sind bei Stückzahlen von 150 bis 200 pro Serie unwirtschaftlich. Hier hilft auch keine KI weiter, es kommt auf Sorgfalt an. Beschriftungen, Logos und gedruckte Details im unteren Millimeterbereich werden mit Hilfe eines Tampondruckverfahrens aufgebracht. Vor kurzem wurde auf wasserbasierte Farben umgestellt - eine Anforderung der EU-Normen unterliegenden Spielzeugindustrie.

Mit rund 100 Mitarbeitern am Hauptsitz in Sebnitz, weiteren 30 in der tschechischen Tochtergesellschaft und drei Produzenten in China mit ca. 200 Kollegen ist Tillig international aufgestellt. Kreative Ideen und Neuentwicklungen stammen aus Sachsen, die Fingerfertigkeit der tschechischen und chinesischen Mitarbeiter ermögliche die kosteneffektive Umsetzung, so Prokurist Hagen Köhler. Die Manufakturfertigung der Modelle bleibt damit bezahlbar und der Sebnitzer Stammsitz im Geschäft.

Ein Hobby mit Potenzial

Modelleisenbahnbau ist längst kein reines Männerhobby mehr. Frauen stehen bei Workshops genauso mit dem Lötkolben an der Platte wie Männer. Der klassische Verlauf eines Modelleisenbahnerlebens beginnt oft in der Kindheit mit ersten Erfahrungen an Opas Anlage und setzt sich im Alter von 40+ fort, wenn zeitliche und finanzielle Kapazitäten den Wiedereinstieg ermöglichen.

Modellbau steht wie alle Freizeitaktivitäten in Konkurrenz zum Smartphone. Doch das vor einigen Jahren noch angestaubte Image wird seit Corona langsam aufgebrochen. Etwas „selbst mit den Händen machen“, stehe zunehmend wieder im Fokus, freut sich Geschäftsführer Groh. Von Holzarbeiten beim ersten Zusägen der Platte über das Strippenziehen für die Elektrik bis hin zur kreativen Gestaltung – das Hobby biete ganz unterschiedliche Herausforderungen, die Unterstützung Gleichgesinnter im Verein als Bonus inklusive. Die eigene kleine Welt am Küchentisch zu erschaffen, gewinnt in einer an Krisen reichen Zeit an Attraktivität. 

„Langfristige Zuverlässigkeit, ehrliche Verhandlungsbereitschaft und persönlicher Kontakt sind entscheidend“

Hagen Köhler, Prokurist TILLIG Modellbahnen

Sächsische Ideen treffen auf globale Herausforderungen

Dabei gehen die globalen Verwerfungen auch wirtschaftlich am Unternehmen nicht spurlos vorbei. Die explosive Preisentwicklung für Energie und Grundstoffe, wie den Basisrohstoff Öl für das Plastegranulat, treibt auch die Sebnitzer um. Seit dreißig Jahren besteht eine enge Zusammenarbeit mit der SachsenEnergie, der erste Vertrag wurde noch mit dem Vorgänger GASAG geschlossen. Inzwischen setzt Tillig auch bei der Nutzung von Glasfaser auf das große Versorgungsunternehmen. Der Energieverbrauch am ostsächsischen Standort umfasst 893.000 kWh Gas für Heizung und 258.000 kWh Strom für Beleuchtung und Fertigung. Vor allem die sieben Spritzgussmaschinen sind energieintensiv, Maßnahmen zur Einsparung sind auch aus ökologischen Gründen immer ein Thema zwischen beiden Partnern. Erste Ideen zur Nutzung von Photovoltaik auf den firmeneigenen Dachflächen sind gesponnen worden. Langfristige Zuverlässigkeit, ehrliche Verhandlungsbereitschaft und persönlicher Kontakt seien entscheidend, betont Prokurist Köhler.

Ökologisches Bewusstsein bedeutet auch Verhaftung in der Region. Sächsische Unternehmen vor Ort liefern Drehteile, Kartonagen, Litzen und Kabel. Ein örtlicher Verpackungshersteller produziert Kartons, die als hochwertiges Aufbewahrungsmittel dienen – nicht als Wegwerfverpackung, denn wie Weihnachtsbaumschmuck wollen hochwertige Loks, Gleise und Zubehörteile über Jahre geschützt gelagert werden.

Per Miniaturzug vorbei am Lilienstein

Drei Mitarbeiter und drei Arbeitswochen mit 380 Stunden hat es gebraucht, im firmeneigenen Museum die Sächsische Schweiz in Miniatur entstehen zu lassen. Mit fünf gleichzeitig fahrenden Zügen ist die Anlage ein Hingucker für Fans jeden Alters. Die Modellbahnreise beginnt in der Pirnaer Altstadt und führt vorbei an Lilienstein und Basteibrücke bis nach Bad Schandau.

Das firmeneigene Museum ist nicht nur an Regentagen und in der Vorweihnachtszeit inzwischen ein fester regionaler Anziehungspunkt. Hundert Jahre Modellbahnhistorie, mehr als dreißig Jahre Firmengeschichte werden hier anhand von Modellen, Dokumenten und Fotos anschaulich präsentiert. Wer besondere Modelle sucht, die im Handel nicht mehr verfügbar sind, ist im angeschlossenen Ladengeschäft der Modellbahn-Galerie an der richtigen Adresse. Sogar für Hilfe bei Reparaturen ist gesorgt: Neben Tipps & Tricks auf der Internetseite und einer Telefonhotline steht im Erdgeschoss der Modellbahn-Galerie der Schalter des Kundendienstes für Fragen und Probleme der Fans offen. 

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