Fragen und Antworten zur Abfall- und Energieanlage in Dresden
Jedes Jahr sammelt die Stadtreinigung in Dresden zehntausende Tonnen Abfall ein, die weder wiederverwendet noch recycelt werden können. Derzeit werden diese Abfälle häufig über weite Strecken transportiert und in Anlagen außerhalb Sachsens verbrannt.
Mit der geplanten modernen Anlage zur thermischen Abfallverwertung will SachsenEnergie diese Entsorgung künftig stärker vor Ort leisten. Dabei wird die unvermeidlich entstehende Abwärme nicht ungenutzt bleiben, sondern gezielt in das Dresdner Fernwärmenetz eingespeist.
In Dresden fallen jährlich zehntausende Tonnen Restabfall an, die nicht wiederverwendet oder recycelt werden können. Seit 2005 ist es gesetzlich untersagt, diese Abfälle zu deponieren. Stattdessen erfolgt eine Verbrennung in speziellen Anlagen, um Krankheitserreger abzutöten und Infektionen zu verhindern sowie Schadstoffe zu entfernen.
Bisher werden diese Abfälle über große Entfernungen in andere Regionen transportiert. RING30 soll diese Entsorgung künftig in Dresden selbst ermöglichen – und die dabei entstehende Wärme sinnvoll nutzen.
RING30 ist eine geplante Anlage zur thermischen Behandlung von Abfällen. Das bedeutet, dass nicht mehr verwertbare Abfälle kontrolliert verbrannt werden, um die gesetzlichen Vorgaben aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz zu erfüllen.
Die Anlage ist gleichzeitig ein Heizkraftwerk, genauer gesagt eine Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (KWK-Anlage). Denn die bei der Verbrennung unvermeidbar entstehende Abwärme wird in einem KWK-Prozess gleichzeitig sowohl in Strom als auch in Wärme umgewandelt, die wiederum in das Dresdner Fernwärmenetz eingespeist wird und für Warmwasser sowie die Beheizung von Wohnungen sorgt. Ein Brennstoffnutzungsgrad von bis zu 85 Prozent macht die Anlage hocheffizient.
In RING30 werden ausschließlich Abfälle thermisch verwertet, die:
- nicht vermieden werden können
- nicht wiederverwendet werden können
- nicht recycelbar sind
Dazu gehören vor allem:
- Restabfälle aus Haushalten
- Sperrmüll
- nicht recycelbare Gewerbeabfälle
- Reststoffe aus dem Recycling
Das Recycling hat weiterhin Vorrang. Die Anlage ergänzt die Kreislaufwirtschaft – sie ersetzt sie nicht.
Recycling ist und bleibt, nach Abfallvermeidung und Wiederverwendung, das drittwichtigste Ziel der Abfallwirtschaft. Viele Materialien lassen sich jedoch nicht sinnvoll recyceln, zum Beispiel:
- stark verschmutzte Verpackungen
- Verbundstoffe (z. B. beschichtete Materialien)
- Hygieneartikel
- Krankenhausabfälle
Auch bei sehr gemischten oder beschädigten Stoffen stoßen Recyclingverfahren an ihre Grenzen.
RING30 erfüllt mehrere Ziele gleichzeitig:
- Regionale Entsorgung
Abfälle werden dort behandelt, wo sie entstehen. Das reduziert lange Transportwege. - Weniger Verkehr und Emissionen
Heute werden Abfälle oft über 100 km weit transportiert. - Nutzung von Energie
Die entstehende Wärme wird für die Fernwärme genutzt. - Ersatz fossiler Energieträger
Ein Teil des bisher eingesetzten Erdgases kann ersetzt werden. - Versorgungssicherheit
Die Anlage liefert kontinuierlich Wärme – unabhängig von Wetter oder Tageszeit.
RING30 wird dazu beitragen, die Gebühren langfristig stabil zu halten, weil:
- die Abhängigkeit von Marktentwicklungen reduziert wird, bspw. bei Transporten
- Preise für die Entsorgungsleistung langfristig kalkuliert und fixiert werden
Bei der Verbrennung von Abfällen entstehen Emissionen – das lässt sich technisch nicht vollständig vermeiden.
Moderne Anlagen wie RING30:
- unterliegen sehr strengen gesetzlichen Grenzwerten
- verfügen über leistungsfähige Rauchgasreinigungssysteme
- werden kontinuierlich überwacht
Gleichzeitig gibt es Umweltvorteile:
- weniger Transportemissionen
- Nutzung statt Verschwendung von Energie
- geringerer Einsatz fossiler Brennstoffe
Die Anlage muss strenge gesetzliche Anforderungen erfüllen (z. B. nach der 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung).
Das bedeutet:
- Schadstoffe werden durch moderne Filtertechnik minimiert
- Emissionen werden regelmäßig gemessen und überwacht
- Grenzwerte sind streng vorgegeben und überwacht
Damit wird ein sicherer Betrieb für Mensch und Umwelt garantiert.
Moderne Anlagen sind so konstruiert, dass:
- Abfälle in geschlossenen Bereichen behandelt werden, die unter Unterdruck stehen
- Gerüche damit nicht nach außen gelangen
- Lärm durch bauliche Maßnahmen begrenzt wird
Im Ergebnis wird die Belastung für Anwohner so gering wie möglich gehalten.
Ein Teil der Transporte verlagert sich nach Dresden.
Gleichzeitig entfallen viele Ferntransporte in andere Bundesländer, so dass insgesamt die Transportwege deutlich kürzer werden.
Der Klimabeitrag entsteht vor allem durch drei Effekte:
- Nutzung von Abwärme
Abfälle fallen ohnehin an und müssen behandelt werden. Die dabei entstehende Abwärme wird genutzt. Nach aktueller Gesetzgebung wird diese folgerichtig den Erneuerbaren Energien gleichgesetzt. - Ersatz von Erdgas
Rund 16% der Wärmeversorgung kann durch RING30 ab 2030 ohne fossile Brennstoffe erfolgen. - Anteile des Abfalls mit biogenem Ursprung
Der mehrheitliche Teil des Abfalls (z. B. fettiges Papier, Holz) stammt aus nachwachsenden Rohstoffen, Tendenz steigend.
Ja. Die Abfallhierarchie in ihren Stufen bleibt bestehen:
- Abfälle vermeiden
- Wiederverwenden
- Recyceln
- Energetisch verwerten (z. B. RING30)
- Deponieren
RING30 ist Teil dieser Systematik und wird nur für die Abfälle jenseits der Stufen 1-3 genutzt.
Pro Einwohner wird in Zukunft weniger Abfall erwartet.
Gleichzeitig:
- wächst die Bevölkerung in Dresden
- stammen erhebliche Abfallmengen aus dem gewerblichen Bereich
Insgesamt ist weiterhin von einem Abfallaufkommen im Ballungsraum Dresden auszugehen, welches die Entsorgungskapazitäten von RING30 um ein Vielfaches übersteigt.
Nein, die Anlage wird auf Abfälle aus Dresden und dessen Ballungsraum ausgerichtet. Ein sogenannter Mülltourismus wird nicht entstehen. Im Gegenteil, der derzeitige „Müllexport“ in andere Bundesländer wird reduziert, indem sogenannte herkunftsnahe Entsorgungskapazitäten im Sinne des Kreislaufwirtschaftsplans Sachsens entstehen.
Derzeit gibt es in Sachsen nur eine Anlage zur thermischen Abfallbehandlung, die T. A. Lauta. Deren Kapazität ist begrenzt und viele Abfälle müssen außerhalb des Freistaates entsorgt werden.
Die Anlage wird so geplant, dass moderne Technik eingesetzt wird und spätere Entwicklungen berücksichtigt werden. Dazu gehört z. B. eine hohe Energieeffizienz.
Nicht alles wird verbrannt:
- Metalle werden aus der Schlacke recycelt und in den Stoffkreislauf zurückgeführt
- die Schlacken werden zu Ersatzbaustoffen aufbereitet und bspw. im Straßenbau genutzt
RING30 soll dazu beitragen, die Abfallwirtschaft in Dresden in Bezug auf die Verwertung als vierte Stufe der Abfallpyramide:
- regional,
- effizient,
- klimaverträglich sowie
- wirtschaftlich
zu gestalten. Vorrangig verbleiben die Ziele Abfallvermeidung, Wiederverwendung sowie Recycling.
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