Die von der Bundesnetzagentur (BNetzA) vorgeschlagenen dynamischen Netzentgelte sollen auf Basis von Engpassprognosen das Verhalten der Erzeuger- und Verbraucherseite (auch Speicher) beeinflussen. Das soll unter anderem Anreize zur Flexibilitätserbringung liefern. Vorgesehen ist also das Leisten oder das Erhalten von Zahlungen, um ein netzdienliches Verhalten zu fördern. Die dynamische Entgeltkomponente sollte laut BNetzA im Idealfall so bemessen werden, dass die jeweiligen Netzengpässe durch Reaktionen der Netznutzer weitgehend behoben werden. Das verlangt eine räumlich und zeitlich detaillierte Auflösung und verursacht entsprechenden Aufwand. Experten zweifeln die Wirkung an: Deutschlands Übertragungsnetzbetreiber vermuten, es ergebe sich eine recht begrenzte Wirkung auf Netzengpässe, weswegen andere Reformen beim Engpassmanagement unvermeidbar seien.
BDEW bezweifelt Praxistauglichkeit der dynamischen Netzentgelte
Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) kritisiert die dynamischen Netzentgelte. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung: „Die Zielsetzung der Bundesnetzagentur, den Anstieg der Redispatch- und der Netzausbaukosten anders zu verteilen und im besten Fall zu dämpfen, ist grundsätzlich richtig und ambitioniert. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass das vorgelegte Konzept zu dynamischen Netzentgelten für Erzeuger, Speicher, Netzbetreiber und Verbraucher im Praxistest durchfällt.“
Der Vorschlag sei überkomplex, praktisch so nicht umsetzbar und nicht geeignet, die gewünschte Entlastung der Netze herbeizuführen, sagt Andreae. Einspeiser sähen sich unkalkulierbaren Preis- und Finanzierungsrisiken gegenüber. Diese würden vermeidbare Zusatzkosten bei der Kreditfinanzierung für den Neubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen, Speichern und Kraftwerken verursachen.
Vorschlag der BNetzA hemmt Ausbau der Erneuerbaren
Die Einführung eines Anreizes in Form eines dynamischen Arbeitspreises sei auch mit Blick auf den angestrebten Ausbau der erneuerbaren Energien kritisch zu betrachten. Notwendige Investitionen in den EE-Ausbau würden konterkariert. Die Unsicherheit über die tatsächliche „Nettobelastung“ erhöhe das Projektrisiko und verteuere die Finanzierung neuer EE-Projekte, so der BDEW in seiner Stellungnahme Dynamische Netzentgeltkomponente: Orientierungspunkte der BNetzA. Andreae: „Einspeisenetzentgelte erhöhen Komplexität, Kosten und bürokratischen Aufwand deutlich und gleichzeitig nehmen sie Erzeugern Planungs- und Investitionssicherheit.“
„Auch auf Verbraucherseite können viele Kunden nicht ausreichend flexibel reagieren, das betrifft insbesondere Industrieunternehmen“, sagt sie. Für alle entstehe eine deutlich höhere Planungsunsicherheit. In dieser Gesamtbewertung sei sich die Branche einig. „Deshalb lehnen wir das Konzept der BNetzA ab.“ Statt auf dynamischen Netzentgelten sollte der Schwerpunkt auf einer generellen Optimierung der Netznutzung liegen, um die vorhandenen Netzkapazitäten effizienter auszunutzen.
Anstatt eines komplexen, volldynamischen Netzentgeltsystems rät der BDEW, alternativ sollte eine Ausweitung der statisch-zeitvariablen Netzentgelte weiterentwickelt werden oder es sollten Kapazitätsnetzentgelte mit zeitlich eingeschränkter Zusatzkapazität in Erwägung gezogen werden. Andreae: „Ein Kapazitätspreis für Verbraucher, wie ihn der BDEW gemeinsam mit EWI vorgeschlagen hat, wäre [...] eine geeignete Lösung.“
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