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Dr. Thomas Woldt zum nationalen Emissionshandel: „Erste Auktionserfahrungen werfen Fragen auf.“ Lorem ipsum

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Im Juli dieses Jahres wurde der nationale Emissionshandel (nEHS) von einem Festpreismodell auf Auktionen umgestellt, Zertifikate wurden in einem Preiskorridor von 55 bis 65 Euro versteigert. Schon bei der ersten Auktion gab es eine „Überraschung“: Das knappe Angebot führte dazu, dass CO2-Zertifikate quasi nur zum Deckelpreis erworben werden konnten. Dies ist nicht die einzige Erkenntnis des SachsenEnergie-Teams „Energy Trading“. Dessen Leiter Dr. Thomas Woldt stellt daher in Frage, ob ein Auktionsmechanismus in dieser Ausgestaltung die richtige Methode zur Allokation von Zertifikaten ist.

Herr Dr. Woldt, zum 1. Juli 2026 wurde der nationale CO2-Zertifikatshandel vom Festpreisverfahren auf Auktionen umgestellt. Welche Beobachtungen haben Sie und Ihr Team gemacht?

Woldt: Das waren für uns spannende Wochen, weil wir mit dem Wechsel von der Festpreisphase auf den Auktionsmechanismus, was die Allokation der nationalen Emissionshandelszertifikate betrifft, Neuland betreten haben. Natürlich hatten auch wir im Vorfeld überlegt, welche Ausgänge zu erwarten sind, und vermutet, dass in jeder Auktion Knappheit herrscht, weil der Regulator im Vergleich zu 2025 viel weniger Mengen in die Auktionen hineingibt. Aber tatsächlich wurden wir auch ein wenig überrascht.

Was hat sie bei den Auktionen überrascht?

Woldt: Uns hat ein wenig überrascht, dass von der ersten Auktion weg eine deutliche Überzeichnung beobachtet wurde. Wir hatten vermutet, dass die Teilnehmer mit der ersten Auktion zunächst Erfahrung sammeln möchten. Wir haben nicht damit gerechnet, dass der Großteil der Bieter sofort den Deckelbetrag von 65 Euro – es gibt ja den Preiskorridor 55 bis 65 Euro – bietet, um Zertifikate zugeteilt zu bekommen. Ich vermute auch, die durch die deutlichen Überzeichnungen resultierenden geringen Zuteilungsraten hatten viele nicht vorhergesehen. Wir sind jedenfalls gut damit gefahren, bei jeder Auktion auf große Mengen zu bieten.

Gab es die Überzeichnungen eventuell auch deswegen, weil mancher Teilnehmer über den tatsächlichen Bedarf hinaus Zertifikate erwerben wollte?

Woldt: Ja, der Gedanke liegt nahe. Neben der angebotsseitigen Begrenzung, gab es sicherlich bei dem ein oder anderen Teilnehmer die Idee, mehr als den eigenen Bedarf zu ersteigern, vor allem wenn man weiß, dass für die anschließende Verkaufsphase ein Festpreis von 68 Euro für die Zertifikate festgelegt wurde. Mit einem Wiederverkauf nicht benötigter Zertifikate an Unternehmen, die ihren Bedarf in den Auktionen nicht decken konnten, lassen sich bis zu drei Euro Gewinn erzielen. Wir vermuten, dass durch Non-Compliance-Teilnehmer – also durch ausschließlich auf Gewinn spekulierende Unternehmen – die Auktionen verzerrt wurden. Wir wissen allerdings nicht, wie stark dieser Einfluss tatsächlich war.

Welche Optionen haben Unternehmen, die nach der letzten Auktion im Herbst noch nicht ausreichend Zertifikate ersteigern konnten?

Woldt: Im Anschluss an die Versteigerungsphase startet die erwähnte Verkaufsphase; in der können zum Festpreis von 68 Euro unbegrenzt Zertifikate gekauft werden. Dazu kommt der Sekundärmarkt mit dem bilateralen Handel zwischen denen, die noch Bedarf haben und denen, die Zertifikate im Überschuss erworben haben. Da kommen die Spekulanten wieder ins Spiel. Das hat man beim Gesetzgeber offensichtlich erkannt. Es gibt einen Regelungsentwurf in der BEHG-Novelle mit dem nicht-abgabepflichtige Unternehmen zukünftig von den Auktionen ausgeschlossen werden sollen. Was noch den Nachkauf angeht: Im Jahr 2027 gibt es außerdem die Option, in der Nachkaufphase Zertifikate zu erwerben, dann aber für 70 Euro pro Stück.

Wie gut konnten Sie die Interessen Ihrer Geschäftskunden beim Zertifikatshandel decken?

Woldt: Im Rahmen dessen, was für die SachsenEnergie möglich erschien, sind wir recht erfolgreich gewesen. Wenn ich sage, unter den gegebenen Möglichkeiten, muss man wissen, dass ein bietendes Unternehmen maximal auf 50 Prozent der je Auktion versteigerten Zertifikate bieten durfte. Und dann gibt es noch das Liquiditätsthema, denn die jeweiligen Gebote müssen durch eine Cash-Einlage (Sicherheitsleistung) vor jeder Auktion bei der EEX abgesichert werden. Für kleinere Unternehmen ist das eine Hürde. Auch wenn die Liquidität nur für kurze Zeit gebunden ist, ist der Kostenanteil aus der Bereitstellung liquider Mittel an den gesamten Transaktionskosten nicht vernachlässigbar.

Wie beurteilen Sie das Auktionsverfahren nach all diesen Erfahrungen? Was würden Sie in Zukunft gerne sehen?

Woldt: Ich frage mich, wofür wir Auktionen durchführen, wenn es in der systemimmanenten Knappheitssituation ohnehin auf den Deckelbetrag von 65 Euro hinausläuft und man im Ergebnis quasi einen Festpreis hat. Nach meiner Meinung wäre zu prüfen, ob langfristig eine andere Allokationsmethode nicht auch zum gewünschten Ergebnis führt mit deutlich geringeren Transaktionskosten für alle Beteiligten.

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