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Fraunhofer-Studie zeigt: Mehr Stromspeicher, weniger volkswirtschaftliche Kosten

Mit zunehmendem Anteil von Wind- und Sonnenstrom kommt es immer häufiger zu „Hellbrisen“ – zu Zeiten, in denen Grünstrom im Überfluss entsteht und Strom zu niedrigen oder zu negativen Preisen gehandelt wird. Während der Hellbrisen wird Strom aus Erneuerbaren teils abgeregelt oder zu Billigpreisen exportiert. Das erhöht den Förderbedarf, denn aus dem Bundeshaushalt muss die Differenz zwischen Marktwert und gesetzlich garantierter EEG-Vergütung gedeckt werden. Zudem führen Negativpreise zu großen Finanzierungsrisiken für neue Erneuerbare-Energien-Anlagen.

Durch mehr Speicher ließen sich diese unerwünschten Effekte mindern, wie das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) aufzeigt. Das IEE hat im Auftrag des Bundesverbandes Erneuerbarer Energien (BEE) sowie der Bundesverbände Solarwirtschaft und Windenergie untersucht, wie viel zusätzliche Speicherleistung und Speicherkapazität nötig wäre, um temporäre EE-Spitzen zu kappen und somit die Folgewirkung auf Verbraucher und den Bundeshaushalt abzuschwächen.

Bereits zusätzliche 20 GW Leistung (für 4 h) bzw. 80 GWh Speicherkapazität hätten in einem Jahr Brutto-Entlastungen zentraler Strommarkt-, Finanzierungs- und Zahlungsstromgrößen von etwa 3,9 Mrd. Euro ergeben. Noch mehr Zusatz-Speicherkapazität würde allerdings geringere Stromkosteneinsparungen mit sich bringen. Die Begründung: Beim Speicherzubau von 20 GW würde die gewonnene Flexibilität ausgleichend auf den Spotmarkt wirken und Strompreisspitzen würden reduziert. Mit weiter zunehmender Flexibilität käme es allerdings zu Kostensteigerungen für Stromkunden, weil Niedrigpreisphasen weniger ausgeprägt wären und die zusätzliche Reduktion von Stromspitzen diesen Effekt nicht kompensieren könnte.

Bei zusätzlichen 80 GWh Batteriekapazität ergäben sich durch die gewonnene Flexibilität folgende Vorteile:

  • Negative Börsenstrompreise würden um fast 70 % sinken.
  • Finanzierungsrisiken für PV, On- und Offshore-Windkraft würden je nach Erzeugungsart um 55 bis 75 % geringer ausfallen.
  • Marktliche Abregelungsmengen sänken um etwa 55 %, sodass Strom aus Erneuerbaren besser in den Strommarkt zu integrieren wäre.

Für die Folgejahre wäre voraussichtlich ein Zubau von etwa 32 GWh/a sinnvoll.

„Die Analyse zeigt: Speicher sind ein Sparprogramm für Stromkunden und Bundeshaushalt“, so Ursula Heinen-Esser, Präsidentin des BEE. „Die Politik muss Speicher und Flexibilität jetzt schneller ermöglichen.“ Die Zahl der Netzanschluss-Anfragen seitens der EE-Branche zeigten, dass der Markt existiert. Jetzt müsse die Politik dafür sorgen, dass aus Anfragen auch Projekte werden.
 

Deutschland ist Europas größter Markt für Stromspeicher

Laut SolarPower Europe wurden im Jahr 2025 Stromspeicher mit einer Kapazität von 36 GWh in Europa installiert, was einer Steigerung von 48 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. In Summe waren zum Jahresende 2025 über 100 GWh installiert. Die Top 3 Märkte waren Deutschland, das Vereinigte Königreich und Italien, allerdings wurde in Deutschland nur 2 % mehr Kapazität als im Jahr 2024 installiert; in Großbritannien waren es 64 % mehr, in Italien ging der Markt um 18 % zurück.

Trotz des Zuwachs sei die Flexibilität im Strommarkt zu gering, so SolarPower Europe. Zwar habe sich das PV-zu-Speicher-Verhältnis auf 8:1 verbessert, aber die Speicherkapazität sei in Relation zur Solarstromerzeugung dennoch zu gering. Bei der Vorhersage künftiger Kapazitäten ergibt sich nach dem mittleren von drei berechneten Szenarien für 2026 einen Zuwachs um 51 % auf über 150 GWh und für das Jahr 2030 eine installierte Gesamtkapazität von 582 GWh, fast das Sechsfache des Wertes von 2025.

Mehr zum „European Battery Market Outlook 2026-2030” auf der SolarPower-Europe-Website.

MiSpeL-Regelung für Speichernutzung kurz vor der Veröffentlichung

Bislang gilt für EE-Anlagen mit Stromspeichern die Ausschließlichkeitsoption. Kurz gesagt soll demnach ausschließlich EE-Strom bei der Einspeicherung genutzt werden; bei dem Speichern von Netzstrom entfällt die Förderfähigkeit. Das schränkt aber die Nutzung von Stromspeichern und Ladepunkten als Flexibilität für den Strommarkt ein. MiSpeL, die Festlegung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten, soll dieses Hemmnis beseitigen. Neue Optionen (Abgrenzungs- und Pauschaloption) zielen auf die aktive Nutzung der Flexibilitätspotenziale, damit Batterien sowohl auf der Nachfrageseite als auch auf der Angebotsseite Flexibilität bieten können.
Auf der MiSpeL-Webseite hat die Bundesnetzagentur den aktuellen Arbeitsstand veröffentlicht und möchte dort am 1. Oktober 2026 die MiSpeL-Festlegung veröffentlichen.

Weitere Informationen Kurzstudie "Die nächste Phase der Energiewende: Flexibilität"
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