Im September 2025 erschien das im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) erstellte „Energiewendemonitoring“. Betitelt ist der von der BET Consulting und dem EWI (Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln) erstellte Monitoringbericht mit „Energiewende. Effizient. Machen.“
Sechs Themenfelder wurden untersucht:
- der zu erwartende Strombedarf,
- Status der Versorgungssicherheit,
- der Status des Netzausbaus,
- Stand des Ausbaus erneuerbarer Energien,
- der Stand bzgl. Digitalisierung sowie
- der Stand des Wasserstoff-Hochlaufs.
Im Bericht wird Bezug auf verschiedene Szenarien-Typen genommen: Einerseits normativ klimazielerreichende Szenarien, bei deren Gestaltung das Erreichen des Klimaschutzzieles vorgegeben ist, andererseits explorative (Trend-)Szenarien, welche die Auswirkung bestimmter Randbedingungen auf künftige Entwicklungen abbilden, wobei die Klimaziele aber nicht zwingend erreicht würden. Weichen die Szenarien voneinander ab, weist das auf die Notwendigkeit von Maßnahmen zum Gegensteuern hin.
Maßnahmen-Bündel für Prosperität, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit
Ebenfalls im September veröffentlichte das BMWE ihr Dokument „Klimaneutral werden – wettbewerbsfähig bleiben“. Hierin wurden zehn Schlüsselmaßnahmen vorgestellt:
- Ehrliche Bedarfsermittlung und Planungsrealismus
- Erneuerbare Energie markt- und systemdienlich fördern
- Netze, erneuerbare Energie und dezentrale Flexibilität synchron ausbauen
- Technologieoffenen Kapazitätsmarkt schnell implementieren
- Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems voranbringen
- Einheitliche und liquide Energiemärkte erhalten und ausbauen
- Förderregime überprüfen, Subventionen systematisch senken
- Forschung zukunftsgerichtet vorantreiben, Innovationen fördern
- Wasserstoff-Hochlauf pragmatisch fördern, überkomplexe Vorgaben abbauen
- Carbon Capture, Utilisation and Storage (CCS/CCU) als Klimaschutztechnologie etablieren
„Eine ehrliche, innovative Neuausrichtung der Energiewende ist möglich, wenn Leitplanken gesetzt, wirtschaftliche Realitäten akzeptiert und die Ressourcen des Landes mit Augenmaß und Weitsicht gelenkt werden“, steht in diesem BMWE-Dokument. Ob die Leitplanken allerdings korrekt gesetzt sind, bezweifeln viele: Die Energiewendemonitoring-Studie und die vorgeschlagenen Maßnahmen des BMWE stehen in der Kritik.
Grüne: Regierung weicht von Empfehlungen ihrer Gutachter ab
„Das Gutachten bestätigt den Kurs, der Ausbau der Erneuerbaren, an Land und auf See, ist auf Spur. Und diese Bundesregierung ist drauf und dran, diesen Kurs zu verlassen“, zitiert ein Online-Artikel von Bündnis 90/Die Grünen ihren Bundesparteivorsitzenden Felix Banaszak. Mit ihrem Zehn-Maßnahmen-Papier weiche Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von den klar formulierten Handlungsempfehlungen ihrer Gutachter ab.
Angezweifelt wird auch, wie realistisch die Annahme eines Bruttostromverbrauch von 600 bis 700 TWh sei. Laut BMWE stellen diese Werte einen robusten Korridor für den zu erwartenden Strombedarf im Jahr 2030 dar. Im Energiewendemonitoring ist nachzulesen, die Spanne sei sowohl von explorativen Szenarien für erreichbar als auch von einigen normativen Szenarien als kompatibel mit der Zielerreichung identifiziert. (Übrigens steht an anderer Stelle des Berichts, es sei ein zentrales Ergebnis, dass in allen explorativen Szenarien das Ziel der Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2045 verfehlt wird.)
BNW kritisiert die Annahme für den Strombedarfs 2030
Prof. Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft e.V., erinnert an Reiches Aussage, dass der Strombedarf 2030 eher am unteren Ende dieser Spanne liege. „Bundeswirtschaftsministerin Reiche senkt damit die bisherige Prognose von 750 TWh bis 2030 um bis zu 150 TWh – was entsprechende Folgen für den Ausbau der Erneuerbaren und Netze haben dürfte. Schließlich ist das 80-Prozent-Erneuerbare-Ziel bis 2030 so mit deutlich weniger erneuerbaren Energien zu erreichen.“
Schreitet die Elektrifizierung des Verkehrs- und Wärmesektors jedoch schneller voran, nimmt die Stromnachfrage zu. „Der erwartete strukturelle Anstieg des Stromverbrauchs wird mit zeitlicher Verzögerung, aber umso dynamischer einsetzen, sobald Investitionen, Förderbedingungen und Energiepreise wieder stabile Rahmenbedingungen bieten“, zitiert energiezukunft.eu Leonhard Gandhi vom Fraunhofer ISE (Online-Artikel „Erneuerbaren Ziele anpassen oder beibehalten?“). Der Bedarf an Grünstrom, vor allem bis 2045, hängt außerdem stark von der Nachfrage nach (in Elektrolyse erzeugtem) grünem Wasserstoff ab, der zum Beispiel bei der klimafreundlichen Direktreduktion in der Stahlindustrie zum Einsatz kommen kann.
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