Nur zu 54 % waren Deutschlands Erdgasspeicher am 5. September 2026 gefüllt. Ein Jahr zuvor waren es etwa 73 %, also ein Drittel mehr. Grund für den niedrigen Füllungsgrad sind die Preise für Erdgas, die dieses Jahr aufgrund des Iran-Kriegs immer wieder hochgetrieben wurden. Ende August überschritt der Großhandelspreis für den Folgemonat (THE Future M+1) erstmals im Jahr 2026 die Marke von 70 €/MWh.
Markt bietet Gashändlern keinen Anreiz, Speicher zu befüllen
Die hohen Preise hielten Händler davon ab, Erdgas zum Befüllen der Speicher zu beschaffen. Den Grund erläutert Kerstin Andreae: „Die Gashändler gehen täglich mit Marktbewegungen um. Allerdings müssen sie wirtschaftlich agieren. Die Befüllung der Speicher ist deswegen langsamer als in den Vorjahren. Gas teurer einzuspeichern, als über Termingeschäfte verkauft werden kann, birgt das Risiko von Verlusten.“ Sie ist Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.
Gassytem widerstandsfähig genug, um über den Winter zu kommen
Niedrigere Speicherfüllstände als in den Vorjahren gibt es derzeit in vielen Nationen Europas. Trotzdem sind die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission der Auffassung, dass die Versorgungssicherheit nicht unmittelbar gefährdet ist. Das EU-Gassystem wäre widerstandsfähig genug, durch den kommenden Winter zu kommen. Experten erklärten am 3. September 2026 in einer Sitzung der Koordinierungsgruppe „Erdgas“, dass die Lage der Überwachung bedarf, sich aber deutlich von der Situation zu Beginn des Ukraine-Kriegs unterscheidet. Heute sei die Beschaffung stärker diversifiziert, die LNG-Einfuhrkapazität höher und die Gasnachfrage geringer.
Ähnlich beurteilte auch Kerstin Andreae vom BDEW die Situation in einer Pressemeldung vom 20. August 2026: „Gashändler und Lieferanten erfüllen ihre vertraglichen Lieferverpflichtungen. Darauf können sich die Kundinnen und Kunden verlassen. … Wie der jeweilige Gashändler oder Lieferant die Versorgung sicherstellt, liegt in der Entscheidung der Unternehmen. Es besteht keine Pflicht, dies über Einspeicherung von Gasmengen zu gewährleisten.“ Sie weist darauf hin, dass mit den neuen deutschen LNG-Terminals eine weitere Säule in der Versorgung hinzugekommen sei.
Großkunden mit noch offenem Bedarf sind mit höheren Risiken konfrontiert
Andreae warnt Großkunden vor der Volatilität und hohen Preisen: „Große Gasverbraucher wie die Industrie, die ihren potenziellen Verbrauch im Winter nicht abgesichert haben, sondern sich auf die Beschaffung von Mengen am Spotmarkt verlassen, setzen sich einem erhöhten Preis- und Mengenrisiko aus.“ Eine bewusste unternehmerische Entscheidung, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt überdacht werden sollte.
Wie viel Europas Erdgasverbrauch bis Ende 2030 sinken könnte, wenn die Ausbauziele für Wärmepumpen, PV und Windkraft erreicht werden, hat das Institute for Energy Economics & Financial Analysis (IEEFA) ermittelt. Allein die drei Technologien könnten in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts einen Verbrauchsrückgang um etwa ein Viertel bewirken. Angenommen wird, dass in den Jahren 2026 bis 2030 jeweils mindestens vier Millionen Wärmepumpen, 75 GW PV-Leistung und 22 GW Windkraft installiert werden.
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