Im Sommer hatte die EU-Kommission dem Industriestrompreis – einer staatlich geförderten Stromvergünstigung – die Türe geöffnet. Energieintensive Betriebe dürfen auf eine deutliche Entlastung hoffen, möglicherweise ab dem Jahreswechsel, wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche am 3. November in Berlin bei der Konferenz „Friends of Industry“ in Aussicht stellte: „Wir sind in den letzten Zügen der Verhandlungen mit der Europäischen Kommission. Ich gehe davon aus, dass wir den Industriestrompreis zum 1.1.2026 einführen werden.“
Nur wer in Klimaschutz investiert, darf profitieren
Für Tausende deutsche Unternehmen könnten sich Einsparungen bei der Stromrechnung ergeben. Vor allem die Großbetriebe aus Branchen wie Metall, Chemie, Papier, Glas und Kokerei/Mineralölverarbeitung würden profitieren. Denn der Industriestrompreis soll den Unternehmen zugutekommen, die im internationalen Handel stehen und die mind. 50 % der Subvention für die Transformation zu einer klimafreundlicheren Produktion einsetzen. (Daher wird der Industriestrompreis gelegentlich auch Transformationsstrompreis genannt.)
Anerkannt werden dabei Investitionen wie der Ausbau erneuerbarer Energie, das Schaffen zusätzlicher Flexibilitäten oder beispielsweise Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Reiche berichtete, man sei mit der EU-Kommission übereingekommen, dass die Nachweise über Investitionen in mehr Effizienz oder Nachhaltigkeit „so bürokratiearm wie möglich“ zu dokumentieren sind.
Günstiger Strompreis für maximal den halben Verbrauch
Der Industriestrompreis würde nicht für den gesamten Verbrauch des begünstigten Betriebs gelten. Ein Nachlass bis zu 50 % auf den Großhandelsstrompreis ist für maximal die Hälfte des Jahresstromverbrauchs möglich. Dabei soll einen Mindestpreis von 5 ct/kWh nicht unterschritten werden. Zudem wird der Industriestrompreis für längstens drei Jahre und maximal bis 2030 gewährt.
Industriestrompreis – nicht ohne Kritik
In Summe sparen begünstigte Betriebe Milliarden, was viele freut. Aber es gibt durchaus Kritik am Industriestrompreis, zum Beispiel vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft BDE. Der Verband begrüßt die Einführung des Industriestrompreises; mahnt aber, nicht nur energieintensive Betriebe der Kreislaufwirtschaft zu entlasten, sondern auch den Mittelstand. „Kreislaufwirtschaft ist Klimaschutz in Aktion – und Mittelständler aus unserer Branche investieren längst in moderne, energieeffiziente Anlagen. Diese dürfen nicht übersehen werden“, sagt Anja Siegesmund, geschäftsführende Präsidentin des BDE.
Informationen zur Antragstellung stehen noch aus
Detaillierte Informationen, wo und wie Anträge zum Industriestrompreis gestellt werden können, lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Potenzielle Antragsteller sollten daher auf die Veröffentlichungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) achten. Vermutlich wird eine der Stellen für das Antragsverfahren zuständig sein.
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