Seit Beginn des Iran-Kriegs hat die EU wegen Preissteigerungen mehrere zig Milliarden zusätzlich für Energieeinfuhren ausgegeben. Die hohen Energiepreise lasten auf den Verbrauchern und der Industrie und hemmen das Wirtschaftswachstum. Mit „Accelerate EU“ möchte die Europäische Kommission die finanziellen Belastungen durch importierte fossile Brennstoffe mindern. Doch es geht nicht allein um eine finanzielle Entlastung: „Wir müssen den Übergang zu heimischen, sauberen Energieträgern beschleunigen. So verbessern wir unsere Energieunabhängigkeit und -sicherheit und stärken gleichzeitig unsere Möglichkeiten, geopolitischen Verwerfungen besser standzuhalten“, so die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen.
Accelerate EU sieht mehrere Handlungsschwerpunkte vor:
- Enge Koordination der EU-Länder untereinander und mit Anbietern fossiler Brennstoffe, u.a. im Hinblick auf das Befüllen von Gasspeichern, Raffineriekapazitäten oder wenn es um die Freisetzungen von Ölvorräten geht.
- Schutz von Verbrauchern und Unternehmen vor Preisspitzen durch befristete Maßnahmen sowie u.a. Unterstützung der am stärksten betroffenen Branchen.
- Beschleunigung des Übergangs zu sauberer Energie aus eigener Erzeugung inklusive der Beseitigung von Hemmnissen für die Elektrifizierung der Bereiche Industrie, Verkehr und Gebäude.
- Modernisierung und Umgestaltung des Energiesystems und Stärkung des Netzsystems, darunter der Ausbau relevanter „Stromautobahnen“, sowie Beschleunigung der Planung und Genehmigung für Energieinfrastrukturanlagen.
- Ankurbeln von Investitionen.
Bzgl. der Investitionsanreize haben die Mitgliedstaaten unter anderem zu prüfen, ob Einnahmen aus dem Emissionshandel dazu dienen können, Investitionen in die Elektrifizierung von Verkehr und Gebäude, in die Dekarbonisierung von Industrieprozessen oder auch Maßnahmen zur Strompreissenkung – wie den Ausbau der Erneuerbaren – zu beschleunigen.
Katalog beispielhafter Maßnahmen im Mai vorgestellt
Ein Katalog mit Beispielen für Maßnahmen, die zu Energieeinsparungen, Effizienzgewinnen oder zur Substitution fossiler Energieträger beitragen können, wurde am 13. Mai 2026 beim informellen Treffen der Energieminister in Zypern vorgestellt. „Die Maßnahmen, die wir in diesem Katalog skizziert haben, können in unseren Ländern leicht repliziert werden und sollen die Auswirkungen der derzeitigen Situation sowohl auf Haushalte als auch auf Unternehmen verringern und gleichzeitig den Übergang zu einer sauberen Wirtschaft beschleunigen“, so Dan Jørgensen, EU-Kommissar für Energie und Wohnungsbau.
Der Katalog gliedert sich in drei Themenbereiche:
- Schutz von Verbrauchern und Industrie sowie Förderung langfristiger Ziele für eine saubere Energiewende.
- Unterstützung von sofortigen Energieeinsparungen und der raschen Einführung sauberer, energieeffizienter Lösungen; Ausbau der europäischen Produktionskapazitäten.
- Förderung von Investitionen in Energieeffizienz, saubere Energieerzeugung und Lastmanagement.
Im Katalog werden auch deutsche Maßnahmen mit Vorbildcharakter erwähnt, unter anderem die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft, Balkonkraftwerke, das Deutschlandticket und die befristete Mautbefreiung für e-Trucks oder die Biogasförderung.
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