Helen Säuberlich leitet bei SachsenEnergie den Bereich Business | Vertrieb Erneuerbare Energien.
Holger Kunz ist Energy Market and Trading Expert im Sales Trading bei der SachsenEnergie.
Warum steigen die Strompreise, wenn der Gaspreis steigt? Und was können Gewerbe- und Industriekunden tun, um sich vor künftigen Preisspitzen auf dem Strom-, Gas- und Ölmarkt zu schützen? Das besprachen wir mit Helen Säuberlich, Fachgruppenleiterin Erneuerbare Energien bei der SachsenEnergie und ihrem Kollegen Holger Kunz, einem unserer Energy Market and Trading Experts.
Herr Kunz, seit Ausbruch des Irankriegs sind nicht nur die Preise für Öl und Gas gestiegen, sondern auch der Strompreis. Wieso wurde Strom teurer?
Kunz: Die Stromversorgung in Deutschland ist nach wie vor – trotz steigender Beiträge von erneuerbaren Energien – von Erdgas abhängig. Das wird auch in den nächsten Jahren so sein, da neue Gaskraftwerke als Backup für Erneuerbare errichtet werden. Dass der Gaspreis den Börsen-Strompreis beeinflusst, liegt am Merit-Order-Prinzip. Dabei bestimmt der Preis des teuersten Kraftwerks, das zur Nachfragedeckung benötigt wird, den Preis. Daher hängt der Strompreis oft am Gaspreis – ein Problem, das nicht so schwerwiegend wäre, wenn die Abhängigkeit von Erdgas geringer wäre.
Hat Deutschland versäumt, aus dem Ukraine-Krieg und der Gasmangellage zu lernen und den Ausbau erneuerbarer Energien zu forcieren?
Kunz: Als Volkswirtschaft sind wir eher hinten dran, was die Energiewende angeht; die Auswirkungen spüren wir jetzt erneut. Im Jahr 2022 war die Situation zwar noch verschärfter, aber mit dem Iran-Krieg hat es uns wieder kalt erwischt – wegen der nach wie vor großen Abhängigkeit von Erdgas und Öl. Das lässt sich kurzfristig nicht ändern. Aber wenn die Energiepolitik weiterhin auf fossile Energieträger setzt, wird sich das jetzige Szenario irgendwann wiederholen.
Was können die Gewerbe- oder Industriebetriebe tun, um Preissteigerungen zu entgehen und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern?
Kunz: Kurzfristig können die meisten dieser Kunden nicht viel machen. Entweder sitzen sie es aus oder sie sind irgendwann gezwungen, ihre Mengen doch zu fixieren. Aber mittelfristig könnte man gerade im Strombereich durch mehr Eigenerzeugung die Abhängigkeit reduzieren. Und durch Elektrifizierung von Prozessen, die derzeit fossile Energieträger benötigen.
Frau Säuberlich, Ihr Team hilft Gewerbekunden dabei, Überschussstrom aus PV-Anlagen zu vermarkten. Bemerken Sie ein steigendes Interesse an der Eigenerzeugung?
Säuberlich: Tatsächlich haben wir gerade besonders viele Anfragen, PV-Anlagen in die Direktvermarktung zu bringen.
Wird der Trend zu mehr Eigenerzeugung sich noch verstärken?
Säuberlich: Was die weitere Entwicklung angeht, ist wichtig, was das neue EEG bringt. Zum Beispiel, wie sich die Erlössituation für die einzelnen Projekte darstellt. Eine andere Unsicherheit ist die Netzauslastung. Möglicherweise erhalten neue EEG-Anlagen in stark ausgelasteten Netzen keine Ausfallvergütung mehr, wenn die Einspeisung wegen drohender Netzüberlastung abgeregelt werden muss.
Neben der Stromerzeugung sind natürlich auch Stromspeicher in dem Kontext wichtig, sowohl Grünstromspeicher für die Eigenverbrauchsoptimierung als auch Graustromspeicher, die ich zu Zeiten niedriger Strompreise lade. Graustromspeicher sind für Kunden mit einer Spot-Abrechnung sehr interessant, um von schwankenden Preisen zu profitieren. Bei Speichern ist der Netzanschluss derzeit ein Thema. Netzbetreiber sind vor allem beim Graustromspeicher oft unsicher, wie er sich auswirkt und bei Engpassrisiken können sie den Speicheranschluss ablehnen. Ich hoffe, mit dem neuen EEG, der Netzentgeltsystematik AgNes und dem marktbasierten Bewertungsverfahren MiSpeL etc. erhalten Investoren die Sicherheit, die sie für ihre Wirtschaftlichkeitsberechnungen dringend brauchen.
Wie unterstützt SachsenEnergie ihre Kunden auf dem Weg zur Eigenstromerzeugung?
Säuberlich: Wir unterstützen Kunden in unserem Netzgebiet als Projektpartner sowohl bei der Planung als auch beim Bau von PV-Anlagen. Dabei begleiten wir sie unter anderem bei der optimalen Dimensionierung auf Basis ihres Lastgangs. Darüber hinaus beraten wir umfassend zur Auslegung und Integration von Speichern und unterstützen auch bei deren Umsetzung.
Alternativ bieten wir für Industriekunden ohne eigene Erzeugungsanlagen die Möglichkeit, im Rahmen eines Green PPA (Power Purchase Agreement) regenerativ erzeugten Strom direkt aus unseren Anlagen oder von unseren belieferten Einspeisekunden zu beziehen. Für kleinere Kunden stellen wir zudem Grünstromzertifikate als einfache Lösung zur Nutzung erneuerbarer Energien bereit.
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