Der sogenannte Redispatch-Vorbehalt wird seit Monaten heiß diskutiert und kritisiert. Geplant ist, dass Verteilnetzbetreiber Netzgebiete für bis zu zehn Jahre als „kapazitätslimitiert“ ausweisen können, in denen im Vorjahr über drei Prozent der Stromeinspeisung abgeregelt werden mussten. In diesen stark belasteten Netzgebieten soll es für neue Wind- oder Photovoltaik-Parks künftig keine Entschädigung bei netzengpassbedingten Abregelungen mehr geben.
Neben Vertretern der Windkraft- und PV-Branche üben auch Verbände und Organisationen Kritik. Befürchtet wird, die Regelung könnte den Zubau der Erneuerbaren ausbremsen. Green Planet Energy schreibt, der Vorschlag berge das Risiko eines Flächenbrandes: Jedes Jahr kämen unvorhersehbare netzlimitierte Gebiete hinzu, die auf bis zu zehn Jahren unter dem Redispatch-Vorbehalt betroffen seien. Zudem differenziere der Redispatch-Vorbehalt nicht zwischen den unterschiedlichen erneuerbaren Technologien – Windenergieanlagen würden für Photovoltaik in Mithaftung genommen und umgekehrt. „Die gute Nachricht ist: Bessere Instrumente liegen auf dem Tisch“, so Carolin Dähling, Bereichsleiterin Politik und Kommunikation bei Green Planet Energy.
Offenes Ohr für Alternativvorschläge
Eventuell wird es zu dem Redispatch-Vorbehalt wie oben beschrieben gar nicht kommen – und das nicht nur wegen Zweifeln an der Rechtmäßigkeit dieser Regelung (siehe E&M vom 16.7.2026, „Warum der Redispatch-Vorbehalt mit EU-Recht kollidiert“). Die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche zeigte sich beim diesjährigen BDEW-Kongress in Berlin offen für Alternativen: „Erneuerbare dort zuzubauen, wo absehbar abgeregelt wird, weil die Knotenpunkte überlastet sind, ist auf Dauer keine gute Idee, weder fürs Netz noch für die Akzeptanz. Wir müssen also eine Komponente und ein Instrument für eine regionale Steuerung einführen. Wir haben das ‚Redispatch-Vorbehalt‘ genannt. Ich möchte Ihnen aber signalisieren, dass ich offen bin für alle Vorschläge, z.B. für einen systemdienlichen Redispatch-Vorbehalt oder einen entsprechenden anspruchsvollen FCA [flexible Netzanschlussverträge], der das Ziel erfüllt, nämlich, dass wir Erneuerbare nicht so konzentrieren, dass die Abschaltung vorprogrammiert ist, aber die Entschädigung dennoch gezahlt werden muss. Aus diesem System müssen wir raus …“
Reiche sagte zudem, auch die Netzbetreiber würden Aufgaben bekommen. „Ich möchte dem Vorwurf gerne begegnen, dass wir den Erneuerbaren Zumutungen aufdrücken, die wir der Netzbranche abnehmen würden. Das ist nicht der Fall. Beide müssen investieren, aber es geht nur zusammen. Und der heutige Zustand ist jedenfalls nicht mehr haltbar.“
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