Dresden ist bereits heute der größte Standort der Halbleiterindustrie in Europa. Mit Initiativen wie dem EU-Chip-Gesetz gewinnt dieser Wirtschaftsbereich weiter an Dynamik: Ziel ist es, die europäischen Produktionskapazitäten in den nächsten Jahren deutlich auszubauen. Der Dresdner Norden spielt dabei eine zentrale Rolle innerhalb des internationalen Mikroelektronik-Clusters „Silicon Saxony“.
Mit dem weiteren Wachstum der Branche steigt auch der Bedarf an Wasser erheblich. Prognosen gehen davon aus, dass sich der Industriewasserbedarf in Dresden in den nächsten zehn bis 20 Jahren verdoppeln bis verdreifachen wird. Allein die Halbleiterindustrie könnte ihren Anteil am gesamten Wasserbedarf der Stadt bis 2030 von derzeit rund 30 Prozent auf etwa 50 Prozent erhöhen.
Zusätzlich beeinflussen gesetzliche Vorgaben sowie klimatische Entwicklungen die Anforderungen an eine zukunftssichere Wasserversorgung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und gleichzeitig die Versorgung der Bevölkerung langfristig zu schützen, wird die Wasserinfrastruktur in Dresden strategisch weiterentwickelt.
Ein zentraler Bestandteil dieser Neuausrichtung ist die Trennung von Trinkwasser- und Industriewasserversorgung. Durch den Aufbau eines eigenständigen Systems – bestehend aus einem Flusswasserwerk und einem neuen Transportnetz – können große Wassermengen gezielt für industrielle Anwendungen bereitgestellt werden, ohne das bestehende Trinkwassersystem zusätzlich zu belasten.
„Es ist ein Projekt, das auf den ersten Blick technisch erscheinen mag, tatsächlich geh es aber hier um weit mehr, es geht um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes, um Versorgungssicherheit, um die Frage, wie wir nachhaltiges Wachstum im Freistaat ermöglichen. […] Wir investieren nicht nur in Beton, Rohre und Technik, wir investieren in die Zukunftsfähigkeit des Landes, denn Mikrochips sind das Gehirn der modernen Wirtschaft und eine leistungsfähige Infrastruktur ist ihr Rückgrat.“
Heinrich Hünting (Abteilungsleiter Wirtschaft, Innovation und Mittelstand im Sächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz)
„Eine leistungsfähige Infrastruktur, Energieversorgung und insbesondere Wasserversorgung sind elementar für eine funktionierende Halbleiterproduktion. Das ist das, was andere Standorte vor riesige Herausforderungen stellt – was man hier in der Region super im Griff hat. […] Während die EU jetzt vorschlägt Pläne zu erstellen, wird hier in Sachsen der Plan umgesetzt. Wir sind da zwei Schritte voraus. Wir sind in vielerlei Hinsicht der führende Standort für die europäische Mikroelektronik Industrie. […] Die Zeichen stehen auf Wachstum hier in der Region.“
Frank Bösenberg (Geschäftsführer Silicon Saxony)
„Wir werden alle unsere Kraft in die Richtung lenken, dass wir vernünftige Lösungen erarbeiten und dass sie für beide Seiten ideal, richtig und gut sind. Es kann losgehen, die Mannschaft steht bereit.“
Hagen Schroth (Niederlassungsleiter Berlin-Brandenburg HOCHTIEF Infrastructure)
„Mit HOCHTIEF haben wir einen leistungsfähigen Partner an unserer Seite, der umfangreiche Erfahrung im Bau großer Infrastrukturanlagen mitbringt. Die Beauftragung als Generalübernehmer ist ein entscheidender Schritt für dieses große Projekt. SachsenEnergie hat der Halbleiterindustrie das Versprechen für eine stabile Wasserversorgung gegeben. Wir haben volles Vertrauen, dass wir gemeinsam mit HOCHTIEF Motor und Ermöglicher für die Region und die sächsische Industrieansiedlung in Dresden sind.“
Dr. Frank Brinkmann (Vorstandsvorsitzender SachsenEnergie)
„Insoweit ist es ein wesentlicher Ausbaugegenstand für die Industrie-Entwicklung des Dresdner Nordens. […] Es ist nicht nur wichtig für die Industrie, die wir mit dem Industriewassersystem versorgen werden, sondern es ist auch wichtig für die Dresdner Bevölkerung. […] Mit der Ausbindung der Industrie aus dem Trinkwassersystem in der Konsequenz, stärken wir natürlich auch die Trinkwasserversorgung in den nächsten Jahren, Jahrzehnten für die Stadt und sorgen für eine sichere Wasserversorgung – auch bei klimatischen Änderungen, die wir alle erleben.“
Dirk Hilbert (Oberbürgermeister Stadt Dresden)
Der Wasserbedarf der Industrie in Dresden steigt deutlich an – insbesondere durch den Ausbau der Halbleiterproduktion. In den kommenden Jahren ist daher mit einer erheblichen Zunahme des Industriewasserbedarfs zu rechnen.
Das Flusswasserwerk ermöglicht es, diesen Bedarf zu decken, ohne die Trinkwasserversorgung zusätzlich zu belasten.
Im Gewerbegebiet Übigau entsteht ein neues Flusswasserwerk, das Rohwasser aus der Elbe entnimmt und für die industrielle Nutzung aufbereitet.
Ab 2030 soll die Anlage Unternehmen im Dresdner Norden – insbesondere aus der Halbleiterindustrie – zuverlässig mit Industriewasser versorgen. Ziel ist es, die Versorgung der Industrie konsequent vom Trinkwassersystem zu trennen.
Das Flusswasserwerk entnimmt Wasser aus der Elbe und bereitet es in mehreren Schritten für die industrielle Nutzung auf. Dabei werden unter anderem Schwebstoffe entfernt und die Wasserqualität gezielt an die Anforderungen der Industrie angepasst.
In Spitzenzeiten kann die Anlage bis zu 67.000 Kubikmeter Wasser pro Tag bereitstellen. Gleichzeitig ist sie so ausgelegt, dass sie bei künftig steigendem Bedarf erweitert werden kann und langfristig eine zuverlässige Versorgung sichert.
Die Entnahme aus der Elbe erfolgt streng reguliert und umweltverträglich. Selbst bei Niedrigwasser wird weniger als 0,23 Prozent des durch Dresden fließenden Wassers entnommen.
Das eingesetzte Wasser wird innerhalb industrieller Prozesse mehrfach genutzt und in internen Kreisläufen recycelt. Nach der Verwendung wird es über den Industriesammler der Stadtentwässerung Dresden abgeführt, dort gereinigt und anschließend wieder der Elbe zugeführt. Weitere Informationen: Industriesammler-Nord (ISN) Dresden (stadtentwaesserung-dresden.de)
Insgesamt fließen über 80 Prozent des Wassers gereinigt in den natürlichen Wasserkreislauf zurück. Der verbleibende Anteil wird innerhalb industrieller Prozesse weiterverwendet oder mehrfach genutzt. Wie sich diese Mengen im Detail verteilen, hängt von den jeweiligen Anwendungen und internen Wasserkreisläufen der Unternehmen ab. Weitere Informationen kann Ihnen auch der Branchenverband Silicon Saxony zur Verfügung stellen: Kontakt für Presse und Medien (silicon-saxony.de)
Die Gesamtkosten für das System der Industriewasserversorgung liegen bei über 300 Millionen Euro. Einen großen Teil übernimmt SachsenEnergie, während sich die Landeshauptstadt Dresden und der Freistaat Sachsen gemeinsam mit 150 Millionen Euro beteiligen.
Kosten, die der Industriewasserversorgung zuzuordnen sind, werden nicht auf Haushaltskunden umgelegt. Die Finanzierung erfolgt verursachergerecht und getrennt vom Trinkwassersystem.
SachsenEnergie hat das Unternehmen HOCHTIEF als Generalübernehmer beauftragt. Planung, Genehmigung und Bau werden damit aus einer Hand umgesetzt. Das sorgt für effiziente Abläufe und reduziert Schnittstellen im Projekt.
Die Baugrunduntersuchungen sind bereits größtenteils abgeschlossen. In den nächsten Schritten wird der Hochwasserschutzdeich in Übigau ertüchtigt, anschließend folgen Genehmigungsphase und Detailplanung. Danach kann mit dem Bau des Flusswasserwerks begonnen werden.
Trinkwasser unterliegt sehr strengen hygienischen Anforderungen, da es für den menschlichen Verzehr bestimmt ist.
Industriewasser wird hingegen gezielt für technische Anwendungen aufbereitet und orientiert sich an den jeweiligen Anforderungen der Nutzung. Die Qualitätsmaßstäbe unterscheiden sich daher je nach Einsatzbereich.
Kapazität
bis zu 67.000 Kubikmeter Wasser pro Tag
Inbetriebnahme
2030
Wasserverbrauchsentwicklung
- 2025: Wasserverbrauch Ø 125.000 Kubikmeter pro Tag, davon 27 % Halbleiterindustrie
- 2030: Wasserbedarf Ø 165.000 Kubikmeter pro Tag, davon 45 % Halbleiterindustrie
SachsenEnergie bindet Generalübernehmer: HOCHTIEF baut Flusswasserwerk für Industrie in Dresden
Dresdens Chipindustrie dürstet nach Prozesswasser. Die Elbe hat genug davon – und bekommt es am Ende wieder. Eine Reise an erstaunliche Orte, immer dem Wasser hinterher.
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